Neues Lufthansa-Kursziel: 35-45 Euro bis Mitte/Ende 2019

Ich denke, es sieht gar nicht so schlecht aus für Lufthansa.

Meine letzte Kurszielberechnung vom 21.11.2016 (siehe https://www.backstagenews.de/2016/11/lufthansa-bierdeckel-kursziel-20-40-euro/ ) ist mittlerweile voll und ganz erfüllt. Damals notierte der Wert bei 12paargequetschte und ist nunmehr deutlich in die angepeilte 20-40 Euro-Range gelaufen. Auch mein „Mindestziel“ von 20-25 Euro wurde jetzt überschritten.

Die Frage, die sich nun stellt, ist: kann Lufthansa den oberen Korridor der letzten Prognose (also bis an die 40 Euro) tatsächlich erreichen, ODER kann man gar eine Neubewertung vornehmen.

Ich hab mich für eine Neubewertung entschieden – das macht einfach mehr Spass.

Aktuell:

Gegenwärtig läuft viel „PRO“ Lufthansa und nur wenig DAGEGEN.

Zum einen hat der Kranich nach jahrelangem Gezerre mit den Gewerkschaften eine gewisse Kostensicherheit für Löhne und Gehälter bis ca. 2022 erzielt…ich gebe zu, nicht gerade zu Discountkonditionen, aber immerhin.

Diese Planungssicherheit könnte sich in den nächsten Jahren als extremer Vorteil für Lufthansa erweisen!

Zum Beispiel droht dem Billigkonkurrenten Ryanair eine mögliche „Verknappung“ seiner Piloten. Denn bei der Lufthansa und selbst bei Eurowings/Germanwings fliegt es sich für das Personal vermutlich deutlich lukrativer.
Was bislang ein Vorteil von R-Air war, könnte jetzt zum Nachteil werden…die Piloten drohen Richtung LH davonzulaufen..zumindest wird es für R-A jetzt schwieriger, seine Wachstumsziele umzusetzen.

Im LH Konzern dagegen werden die Renditen (durch etwas höhere Gehaltskosten etc.) zwar nicht so stattlich ausfallen, wie früher bei R-A, aber man wird wie geplant wachsen können!

Auch bei der Verteilung von Air-Berlin war die Gehalts- und Wachstumspolitik von LH bereits ein Vorteil. Immerhin kann man viele Beschäftigte übernehmen bzw. wird diese zu vernünftigen Konditionen einstellen.
NATÜRLICH beklagen sich die Gewerkschaften, dass man bei LH oder Eurowings evtl. ein paar Abstriche (im Vergleich zu Air-Berlin) beim Gehalt in Kauf nehmen muss…aber da sieht man mal wieder, dass Gewerkschaften offenbar ein Geschäftsmodel wie das von Air-Berlin (also dauerhaft höhere Kosten als Einnahmen) als „tragfähig“ erachten und verlangen, LH müsse es Air-Berlin gleichtun…oberwitzig, oder?

Auch bei Alitalia wird LH mitbieten…ob/wann es hier ein Stück vom Kuchen gibt, ist derweil unklar – aber es ist nicht unwahrscheinlich.

Egal, wie man es dreht und wendet – bei LH stehen die Zeichen auf Wachstum!

Natürlich – bei Airlines ist das immer so eine Sache – viel zyklischer als eine Airline „benimmt“ sich kaum ein Unternehmen/eine Aktie. Und so ist es durchaus möglich, dass wir den Hochpunkt des aktuellen Up-Zyklus schon gesehen haben…aber ist das auch wahrscheinlich?

Nein!

Wir bewegen uns schon jetzt in einer wirtschaftlichen Boomphase – und die wird m. M. n. noch lange andauern bzw. sich deutlich VERSTÄRKEN.
Und genau wie im Boomzeiten die Restaurants voll besetzt sind und diesmal sogar „Vorspeise“ bestellt wird, so wird in solchen Phasen auch mehr geflogen – und gerne auch hochpreisiger.

Mit anderen Worten:

Ich erwarte in den nächsten paar Jahren steigende Passagierzahlen UND evtl. steigende Ticketpreise.
Und da aktuell ein paar Wettbewerber durch Insolvenz AUSFALLEN bedeutet dies eine große Chance für die Lufthansa!

In Zahlen – hier meine übliche Bierdeckel-Rechnung:

Lt. Bloomberg sollte Lufthansa in diesem Jahr ca. 35,2 Mrd. Euro umsetzen…in 2020 dann ca. 37,7 Mrd….die Zahlen – vor allem für 2020 – sind aus meiner Sicht jedoch mehr als konservativ. Im Zuge der allgemeinen Wirtschaftsbelebung könnten die Passagierzahlen nebst Service/Catering um ca. 5% pro Jahr steigen…eher mehr…hinzu kommen noch potentielle Ticket-Preiserhöhungen…

Ohne Preiserhöhungen würden somit (bei 5% Mengenwachstum) in 2020 schon 40,7 Mrd. umgesetzt – statt der erwarteten 37,7!

DAZU kommen aber noch ca. 2 Mrd. aus den neuen Air-Berlin-Umsätzen UND – einfach mal ins Blaue geschätzt – ca. 1 Mrd. Umsätze aus der Alitalia-Resteverwertung.

Macht dann schon potentiell 43,7 Mrd. Euro in 2020!

Dann:

Bei Bloomberg kalkulieren die Analysten durchgehend mit ca. 5% Nettorendite…das macht dann ca. 4.65 Euro pro Aktie. (Im Übrigen KÖNNTEN die 5% Nettorendite durchaus auch mal nach oben gehen, vor allem wenn Synergien greifen – aber das ist eine andere Geschichte…)

Jedoch – WENN das Unternehmen im Zuge des Wirtschaftsbooms zusätzlich die angesprochenen Preiserhöhungen bei den LH- und auch Eurowings-Tickets und anderen Leistungen durchsetzen kann – sagen wir „nur“ 10 % insgesamt bis 2020, dann müssten wir weitere 4,37 Mrd. Umsatz hinzurechnen – und „landen“ dann bei potentiellen 48 Mrd. Euro Umsatz in 2020…ein deutlich anderer Wert als die aktuell geschätzten 37,7 Mrd. Euro…und – nehmen wir der Einfachheit halber an, dass die Preiserhöhungen zu 100% gewinnsteigernd sind – dann macht das weitere ca. min. 2 Mrd. Euro Nettoprofit oder weitere ca. 4,25 Euro pro Aktie.

Macht nach Adam Riese ein Gewinnpotential von knapp 9 Euro pro Aktie im Jahr 2020 und mögliche Notierungen der Aktie jenseits der 70 Euro-Marke.

Und bei dieser einfachen Rechnung haben wir noch nicht mal „übertrieben“…

…aber: lassen wir doch „die berühmte Kirche im Dorf“ – und ziehen von den durchaus möglichen 9 Euro ein ganzes Drittel ab…dann landen wir bei ca. 6 Euro pro Aktie…dies ist aus meiner Sicht durchaus erreichbar, wenn alles läuft wie geplant.

Und dann – im Zuge einer grundsätzlichen Börsenhausse – dürfen wir auch für LH ein freundliches KGV von mageren 8 unterstellen (auch das ist für konjunkturelle Hochzeiten, die ich in 2020 erwarte, eher ein bescheidener Wert)…und dann kommen wir „leicht“ zu der Annahme, dass der Lufthansa-Kurs bis Mitte/Ende 2019 „Luft“ bis min. ca. 48 Euro hat.

Und so komme ich – wenn ich NOCHMALS etwas abziehe – auf mein Kursziel von ca. 35-45 Euro bis ca. Mitte/Ende 2019. Mit mehr als reichlich weiterem Potential für weit höhere Werte – zumal ich Stand heute einen Wirtschaftsboom bis ca. 2022 erwarte. Aber – ERHÖHEN kann man Kursziele jederzeit…die 35-45 müssen aber erst mal „gesehen“ werden.

Wichtig:

Alle meine Schätzungen sind wie üblich frei erfunden…aber ich persönlich glaube an das Potential von LH…

Fazit:

Aus meiner Sicht haben LH-Aktien noch reichlich Luft nach oben…natürlich – gerade im Airlinesektor muss stets mit Überraschungen gerechnet werden – und die sind nicht immer positiv. Aber ich persönlich glaube an meine Berechnungen und werde meine Lufthansa-Aktien vorerst halten.

Henry Littig
backstagenes.de

Geschrieben von Henry Littig