China/Ukraine/US-Techaktien

China:

Von ein paar Einzelaktien abgesehen, habe ich um chinesische Aktien bisher immer einen großen Bogen gemacht. Bisher zu recht. Die China-Aktien-Euphorie ist schon lange abgeklungen und in den letzten Jahren kannten chinesische Werte nur eine Richtung: nach unten!

Unsichere Bilanzstrukturen, Lug und Trug sowie – aus unserer Sicht „zweifelhafte“ politische Strukturen sorgten für eine mehrjährige Marktbereinigung. Auch ist seit Jahren und auch aktuell immer wieder von verschiedenen Blasen die Rede, die in China in jedem Fall platzen müssten.

Nun denn – insgesamt sorgten all diese Faktoren dafür, dass sich chinesische Aktien auf einem – aus unserer Sicht – extrem attraktiven Niveau befinden.

Und? Wann wird die chinesische Finanzblase platzen?

Meiner Meinung nach wird sie gar nicht platzen!

Warum?

China kann man ganz einfach erklären. China hat in den letzten 20 – 30 Jahren alles illegal vom Westen kopiert, was gut ist! Aber nichts das, was schlecht ist!!!

So kopierten chinesische Firmen zwar die gesamte überlegene westliche Technik – nicht aber das aus ihrer Sicht unterlegene politische System. Denn während wir im Westen eine Art Stillstandspolitik entwickelt haben, wird in China einfach „gemacht“!

Während wir es als modern empfinden, wenn bei Bau eines jeden Großprojektes zuerst jahrelang gestritten und gefeilscht wird, um es dann letztlich an einer dort angesiedelten Käferpopulation scheitern zulassen, baut man in China im Rekordtempo!

Und aus diesem einfachen Grund denke ich, dass es in China in absehbarer Zeit keine vergleichbare Finanzkrise geben wird. Die dortige Politik ist einfach zu mächtig, um eine solche zuzulassen. Während bei uns das Kind erst in den Brunnen fällt und dann nach jahrelangen Verhandlungen geborgen wird, sollte Chinas Politik in der Lage sein, die meisten Krisen noch im Keim zu ersticken. Notfalls mit Gewalt!

Ob uns diese Politik gefällt oder nicht, ob sie mit unseren Wertevorstellungen übereinstimmt oder nicht, ist für die Bewertung belanglos.

Daher mein China-Fazit:

Die neue chinesische Regierung wird vermutlich dafür sorgen, dass sich die Lage in allen wichtigen Punkten verbessert. Somit wäre mittelfristig das aktuell bestehende Bewertungsgap zu den Westbörsen nicht mehr zu rechtfertigen – vor allem nicht bei Wachstumsraten von 6 – 8 %!

Daher gehe ich davon aus, dass chinesische Aktien ihren aktuellen Aufwärtstrend fortsetzen und in diesem Jahr evtl. die westlichen Märkte deutlich toppen.

Vor knapp 3 Wochen bin ich, wie Sie wissen, in den Hang Seng China Enterprise Index (Kgv 7,5!) eingestiegen…bisher hat es die erwartete direkte Aufwärtsbewegung in der Tat gegeben und der Markt konnte bisher um ca. 8% zulegen…nicht schlecht für den Anfang, so kann es weitergehen.

Ukraine:

Dass mir die ganze Sache mit der Ukraine als aktueller Longinvestor nicht gelegen kommt, können Sie sich vorstellen. Den ersten Downmove habe ich durchgehalten, da sich die Krim-Krise exakt so entwickelt hat, wie erwartet. Anschließend stiegen die Kurse. Aktuell gibt es wieder Spannungen im Osten. Kurstreibend wirkt das alles sicherlich nicht.

Was tun? Verkaufen? Gute Frage…

Auch hier müssen wir uns fragen, was letztlich wirklich geschehen wird. Das ist in jedem Fall schwieriger als bei der Krim.

Letztlich kann ich mir aber gut vorstellen, dass von einigen Scharmützeln abgesehen, auch hier nicht all zu viel geschieht. Auch denke ich, dass Russland gute Chancen hat, sich mit irgendeiner autonomen Ost-Ukraine durchzusetzen. Warum?

Zum einen entspricht das wohl den Realitäten und zum anderen – und das finde ich wesentlich bedeutsamer – wird auch der Westen ein Interesse daran haben!!! Warum?

Nun, ich glaube, jetzt, wo sich die streitigen Gemüter allmählich beruhigen, dürfte sich der Westen langsam aber sicher eine ganz einfache Frage stellen:

„Was wollen wir eigentlich mit der Ukraine?“

Gute Frage, nicht wahr?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass genau diese Frage bereits jetzt hinter verschlossenen Türen von Merkel und Co diskutiert wird.

Wollen wir uns diesen Klotz wirklich ans Bein binden?

Bisher hat Russland die Ukraine so halbwegs am Leben erhalten. Doch wenn wir die Ukraine nach westlichen Richtlinien am Leben erhalten wollen, dürfte das auf 20 – 30 Jahre mehr kosten als der gesamte EU-Aufbau! Haben Sie sich schon mal angesehen, wie groß dieses Land ist?

Und – möchte Frau Merkel uns dann einen 10%igen Ukraine-Steuer-Soli verkaufen? Incl. Riesenärger mit Russland? 20 Jahre lang? Vermutlich nicht…

Und daher wird der Westen letztlich sehr froh sein, wenn – natürlich verbunden mit der üblichen Theatralik – Russland zumindest für einen Teil der Ukraine selber zahlen „darf“!

Das klingt doch irgendwie einleuchtend? Oder?

Daher setze ich darauf, dass über kurz oder lang genau so eine Lösung zusammengezimmert wird!

Wann ist schwer zu sagen…vermutlich könnten schon beim nächsten Treffen der Streithähne in der nächsten Woche die Weichen gestellt werden.

So oder so bleibt die Lage jedoch weiter angespannt, da auch der Wahltermin im Mai ein Rolle spielt. Insgesamt ist es vermutlich vertretbar, meine Longpositionen im Euro Stoxx zu halten…wenngleich ich auch heute noch mal leicht in den (diesmal großen) Hang Seng Index umgeschichtet habe.

US-Techaktien…

…haben möglicherweise gedreht…das ist noch nicht sicher, aber es könnte eine Kaufgelegenheit sein…

Henry Littig
backstagenews.de

Geschrieben von Henry Littig