Seit Freitagabend hat sich meine Marktpositionierung leicht geändert. Den Leerverkauf im Dow Jones habe ich mit anständigem Plus geschlossen und – bei gut 9200 eine erste DAX-Longposition aufgebaut…enges Stop, versteht sich…

Warum bin ich jetzt DAX long?

Gute Frage – so ganz weiß ich es selbst noch nicht. Immerhin: mein zuvor gedritteltes Marktbild, das steigenden, fallenden und seitwärts laufenden Kursen, eher gleiche Chancen eingeräumt hatte, hat sich derweil leicht verändert.

Will heißen, seit Freitag Abend überwiegt die Vision steigender Kurse leicht mit etwa 40 zu 30 zu 30. Das ist, wie man unschwer erkennen kann, noch keine deutliche Meinung, aber sie hat gereicht, den Short im Dow Jones einzudecken und ein wenig long zu gehen. Mögliche Kursziele für den DAX habe ich auch schon im Kopf, aber – ganz ehrlich – bei einer gefühlt 40%igen Eintrittswahrscheinlichkeit steigender Kurse bei gleichzeitig übler Nachrichtenlage an der Weichwährungsfront, macht es noch keinen Sinn, darüber zu sprechen.

Währungscrash bzw. Weichwährungscrash?

Wie Sie sicherlich wissen, verfolge ich persönlich einen ganz anderen Marktansatz. Die klassische Nachrichtenlage interessiert mich dabei eher nicht. Ich stecke oft gedanklich in den Kursbewegungen der eingegangenen Investments und die „offiziellen Begründungen“, warum das gerade alles so geschieht, wie es geschieht, verfolge ich nur beiläufig.
Erst Ende letzter Woche wurde mir bewusst, dass die ganze Börsenwelt schon seit Tagen über den Verfall der Weichwährungen spricht und diesen für den Kursverfall an den Börsen verantwortlich macht. Ok – mir war das bislang egal – denn ich war ja a) short im Gesamtmarkt und habe von dem Kursverfall profitiert und b) meine Longpositionen (Facebook, Twitter, Netflix, Herbalife und American Airlines) konnten kurioserweise ALLE entgegen dem schwachen Gesamtmarkt deutlich zulegen.
Aber – immer, wenn so eine große Geschichte am Markt kursiert, muss auch ich diese früher oder später bewerten. Denn immerhin machen hier Ausdrücke wie „Währungscrash“, „neue Weltwirtschaftskrise“ etc. die Runde. Und da sollte man Augen und Ohren offen halten.

Ich habe folglich auch ein paar Stunden über die Sache nachgedacht und bin zu folgendem Schluss gekommen:

Die FED, also vermutlich die mächtigste Institution auf diesem Planeten, steuert nunmehr seit Jahren mit Volldampf gegen die 2008er Krise an. Bisher mit Erfolg! Die EZB ist dem Beispiel der FED gefolgt und rudert kräftig mit. Ob diese beiden „den Krieg“ langfristig gewinnen werden, ist zwar ungewiss, in jedem Fall gewinnen sie jedoch vermutlich „die aktuelle Schlacht“!
Diese beiden haben in den letzten Jahren solche Summen in die „Heilung“ des Gesamtsystems investiert, dass man sie als normalsterblicher kaum aussprechen kann. Und aktuell scheint es ja auch wieder zu laufen – so mehr oder weniger…

Und jetzt kommt die entscheidende Frage:

Jetzt, wo die beiden Leitwährungen $ und Euro langsam ihren Einfluss zurückgewinnen, kann es da von Bedeutung sein, wenn die türkische Lira im Wert fällt? Ich meine, wenn die Welt mit Hilfe von FED und EZB gerade eine Herztransplantation überstanden hat, wird es dann von Bedeutung sein, wenn sie danach noch von ein paar Mücken gestochen wird? Eigentlich nicht…

Fazit:

Wenn die wirklich großen Probleme des internationalen Finanzsystems geheilt oder zumindest erfolgreich verschleiert (was es wohl am besten trifft) wurden, können dann Randgruppenprobleme das Haus jetzt zum Einsturz bringen? Möglicherweise, aber eher unwahrscheinlich…
Und aus diesem Grund kann ich mir gut vorstellen, dass die Märkte über kurz oder lang wieder Tritt finden…
Ich erwarte zwar keine unmittelbar und schnell anziehenden Kurse, aber möglicherweise könnte der Markt auf diesem Niveau drehen…
Naja, und wenn nicht, sind wir auch schnell wieder short…

Henry Littig
backstagenews.de

Geschrieben von admin