Möglicherweise läuft an den Börsen aktuell der schon länger überfällige Rebound. Diese Gegenbewegung könnte ein paar Wochen andauern und das Kursniveau um weitere ca. 5% anheben.

Die Märkte und Marktteilnehmer schielen dabei wie eine Horde Heroinsüchtiger auf jede Bewegung ihrer Großdealer – in diesem Fall die Notenbanken. Man erhofft sich den nächsten “Schuss”. Und zwar den nächsten Schuss frischen Geldes, mit deren Hilfe die Entzugserscheinungen der Finanzindustrie gemildert werden sollen.

Und dieser “Schuss” wird kommen – früher oder später.

Das Dumme ist nur:

Genau wie bei Drogen muss die Dosis von mal zu mal erhöht werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Und das Dumme daran ist:

Irgendwann führt dies zwangsläufig zu einer Überdosis – mit absehbaren Folgen.

Die beiden anderen Möglichkeiten sind:

Erstens:

Man reduziert die Dosis sehr langsam und ersetzt sie auch teilweise mit einer Art Methadonprogramm. Dies führt dazu, dass extrem starke Auswirkungen zwar unterbleiben, dass eigentliche Problem jedoch über eine sehr lange Zeit ungelöst bleibt. Und es fühlt sich in dieser Zeit für alle Beteiligten schlecht an.

Und zweitens:

Man setzt die Droge, in diesem Fall das Notenbankgeld, von heute auf morgen ab. Dann ist das Geschrei zwar groß und die Schmerzen für eine kurze Zeit recht ansehnlich, am langen Ende jedoch werden Körper und Geist recht schnell gesunden.
Ich persönlich würde diese Variante Bevorzugen. Sie bringt den schnellsten und ehrlichsten Erfolg von allen Möglichkeiten.
Aber – in unserer heutigen politischen Larifari-Gesellschaft sind harte aber funktionierende Therapien eben nicht mehr “salonfähig” und werden als “populistisch”, “sozial unverträglich” und als “das kann man doch so nicht machen” abgetan.

Und daher frage ich Sie:

Welche Möglichkeit wird die umsichtige Weltdrogenpolitik wählen?

Richtig! Vermutlich die Larifari-Variante mit weiteren, aber gefühlt evtl. eher abnehmenden Massnahmen der Notenbanken incl. diverser wirtschaftlicher Stützungsmaßnahmen und anderer Methadonprogramme.
In Folge dessen werden wir wohl noch lange etwas von den aktuellen Problemen “haben”, denn der Patient wird nicht geheilt! Er wird nur kurzfristig mit frischem Stoff ruhig gestellt.

Daher:

Es gibt keinen Unterschied zwischen einem Drogendealer und den Notenbanken. Und es gibt auch keinen Unterschied zwischen den Süchtigen und dem Finanzmarkt.
Und daher gibt es auch keinen Unterschied in der Prognose beider Situationen.

Fazit:

Egal ob oder wie stark der Markt aktuell noch ansteigt – dieser Markt ist für mich noch keinesfalls ein Kauf. Sollten sich die Kurse tatsächlich in naher Zukunft im “Rausch der Sinne” wieder etwas berappeln, würde ich aus aktueller Sicht dann eher wieder short gehen und auf einen “Rückfall” des Patienten setzen.
Daher empfehle ich weiterhin: Finger weg von diesem Markt! Mein Kursziel von unter 5000 Punkten im DAX bis ca. Ende September bleibt somit vorerst bestehen.

Bis dahin

Henry Littig
backstagenews.de

Geschrieben von admin