Wenn man die Geldsumme, die von der EZB gestern erneut an die Banken verschenkt wurde, der Summe der letzten Schenkung hinzu addiert, kommt man auf ca. 1000 Milliarden Euro!
Profimathematiker sprechen auch von einer Billion.
In echten Zahlen sind das 1.000.000.000.000 Euro. Das entspricht ungefähr dem Wert aller deutschen Aktien!
Also eine im Grunde unvorstellbare Summe!
Damit kauft die EZB über den Umweg der Banken in großem Stil Staatsanleihen der sogenanten Pleitestaaten auf. Und ein Teil fliesst auch in den Aktienmarkt.

Dieser Vorgang ist – nebenbei gesagt – in höchstem Maße illegal!!!

Denn der EZB ist es verboten Staaten zu finanzieren!

Aber wen interessiert das? Schliesslich können wir uns nicht mit jeder Lappalie beschäftigen, oder?
Immerhin hat es uns doch schon in den letzten 3 Monaten alle verfügbare Kraft gekostet, unserem Ex-Bundespräsidenten nachzuweisen, dass er sich für ein- bis zweitausend Euro Vorteile erschlichen hat. Da sind verständlicherweise keine Kapazitäten mehr frei, um sich auch noch über die läppische Billion Euro aufzuregen, die der EZB-Präsident gerade illegal zur Staatenfinanzierung einsetzt.

Und außerdem:

In etwa diesen Schritt hätte ich der EZB schon lange empfohlen. Ich habe Ihnen ja schon seit Jahren geschrieben, dass die Finanzkrise im Grunde in 5 Minuten zu beenden wäre.
Die EZB und auch die FED hätten schon längst in einer Wochenendaktion alle ausstehenden Staatsschulden zwangsweise ankaufen sollen. Anschliessend hätte man die aufgekauften Schulden gegen extrem langlaufende und sehr niedrig verzinste Papiere austauschen können.
Somit wären schon vor Jahren alle Staaten quasi übers Wochenende schuldenfrei geworden und hätten sich über weitere 30 – 50 Jahre neu verschulden können. Was dann zu den üblichen Auswüchsen wie steigende Sozialausgaben, Wirtschaftsprogramme etc. geführt hätte.
Der Inflationseffekt wäre m. M. n. geringer als befürchtet gewesen und nach ein paar Wochen, wenn etwas Gras über die Sache gewachsen wäre, wäre wieder alles so gewesen, wie es vorher war.

Leider wäre so eine echte und ehrliche Lösung natürlich „politisch inkorrekt“ – würde „politisches Fingerspitzengefühl vermissen lassen“!
Und ich bin eben kein Politiker.

Deshalb versucht man heute das gleiche – nur gestreckt über viele Jahre. Und – wie man im Vergleich mit dem Ex-Bundespräsidenten sieht – wohl auch mit Erfolg.
Denn eine Aufregung über diese Massnahme habe ich in der breiten Öffentlichkeit noch nicht festgestellt. Finanzprofis wissen genau, was ich meine, jedoch tappt die Bevölkerung weiter im Dunkeln.

Und das ist im Grunde auch wichtig! Denn nur so funktioniert das Finanzsystem!

Aber – diesmal, denke ich, hätte man die Wahrheit auspacken und reinen Tisch machen können. Denn das Volk wusste, dass das Finanzsystem einer Rettung bedurfte!
Und deshalb hätte die Bevölkerung diesen drastischen Schnitt wohl auch mitgetragen, zumal er nur Vorteil gehabt hätte.

Mit dem, was man jetzt macht, also meine drastische Aktion in viele kleine Scheibchen aufzuteilen incl. staatlicher Sparprogramme statt steigender Staatausgaben wie bei meiner Lösung, läuft man Gefahr, dass doch eines Tages die Stimmung kippt. Denn trotz aller bestehenden Unkenntnis über das Finanzsystem werden die Bürger immer aufgeklärter und werden früher oder später die Situation durchblicken. Und dann wird es schwierig für das System.

Man kann also im Interesse des Finanzsystems nur hoffen, dass sich die Bürger weiterhin mit falsch abgerechneten Parkknöllchen von Bundespräsidenten beschäftigen, als mit den 1000 illegal eingesetzten Milliärdchen der EZB.

Noch ein Wort zur Illegalität: Das Verhalten der EZB ist natürlich rechtlich vermutlich nicht wirklich illegal. Die EZB besitzt zwar keinen Jagdschein um selbst auf das von aussterben bedrohte Wild zu schiessen, aber sie kauft sich einfach ein paar Jäger..

Die Börse:

Wie Sie wissen, habe ich in diesem Jahr zum ersten Mal keine Jahresprognose für die Börsen abgegeben. Das Umfeld, in dem wir uns aktuell bewegen, ist dafür einfach zu künstlich und daher unkalkulierbar.
Die Aufwärtsbewegung zu Jahresbeginn habe ich zwar erkannt, aber so recht wohl konnte ich mich damit nicht fühlen.
Die Börse fühlt sich im Moment für mich in etwa so an, als würde man mitten in der Antarktis nur mit einem T-Shirt bekleidet vor einem wärmenden Strohfeuer stehen. Und angeblich soll bald neues Stroh als Nachschub kommen.
Ich persönlich ziehe es vor, mir eine warme Jacke anzuziehen und mich ein bisschen vom Feuer zu entfernen. Das mag zwar nicht optimal sein, ist aber in jedem Fall nicht gefährlich. Denn wenn das Feuer ausgeht, dürfte ein T-Shirt nicht ausreichen…
Daher: Auch meine Entscheidung, zunächst mal die DAX-Gewinne mitzunehmen, sich eine Jacke zu besorgen und die weitere Heizmittelversorgung genau zu beobachten, halte ich noch immer für richtig.
Natürlich kann ich nicht ausschliessen, dass die EZB ständig weiter frisches Stroh ankarrt und so den Aktienmarkt in theoretisch schwindelerregende Höhen treibt. Aber das Risiko zu frieren ist mir diesmal zu groß.
Ausserdem: Man muss ja nicht jede Sonnenstunde geniessen – soll ja auch schlecht für die Haut sein…
Aktuell hat der DAX zwar eine kleine Verschnaufpause eingelegt. Aber er kann jederzeit in jede nur erdenkliche Richtung gedrückt werden – das geschenkte Bankgeld ist dafür mehr als ausreichend. D. h. wir stehen möglicherweise vor der größten Hausse aller Zeiten. Aber möglicherweise auch vor einer mehrjährigen Schaukelbörse.
Ich kann das in diesem Umfeld leider nicht so präzise wie sonst erkennen. Daher behalte ich zunächst die Jacke an, und warte ab…

Bis dahin

Henry Littig
backstagenews.de

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