„Ja ist denn heut` schon Weihnachten?“

So in etwa lautete vor Jahren der berühmte Werbespruch von „Kaiser“ Franz Beckenbauer, der damals schon ab September diverse Weihnachtshandys beworben hatte.

Wir schreiben heute gerade mal den 04.11.2010, aber betreffs der Jahresbörsenprognose für 2011 sehe ich keinen Grund, hiermit noch zu warten. Im Gegenteil – es ist eher Eile angebracht.

Zunächst ein kleiner Rückblick 2010:

Auch das Jahr 2010 war prognosetechnisch bislang ein voller Erfolg (siehe die letzte Jahresprognose vom 14.12.2009).

Fast alle Erwartungen haben sich erfüllt:

– die Krise hat sich nicht fortgesetzt, sondern ist überstanden!
– die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist wie erwartet stark gesunken!
– die Zinsen sind niedrig geblieben!
– der Ölpreis blieb wie erwartet unter Kontrolle!
– der Goldpreis konnte deutlich zulegen und selbst mein ambitioniertes Kursziel von 1500$ wurde schon fast erreicht – und das Jahr ist noch nicht zu Ende!
– die von vielen befürchtete Inflation blieb erwartungsgemäß aus!
– dann der $: Wie Sie wissen teile ich den seit Jahren vorherrschenden Pessimismus zum US-$ nicht und auch in 2010 konnte die US-Währung bis jetzt eher etwas zulegen!
– meine Favoritenbranche – US-Luftfahrtaktien (zu sehen im NYSE ARCA Airline Index) – konnte seit der Prognose am 14.12.2009 bis jetzt um über 50% zulegen und somit das hohe Ziel 1:1 erreichen!
– bei den Einzelwerten konnten Aktien von Ford die „geforderten“ 50% Plus schon bis Mitte März 2010 zulegen!
JDS Uniphase schaffte die 50% bis Ende März – auch nicht schlecht!
– in Deutschland konnte Metro im Vergleichszeitraum immerhin deutlich stärker zulegen als der DAX!
– der DAX selbst notiert zwar mit aktuell über 6700 Punkten noch ein Stück weit von den „min.“ 7000 Punkten entfernt, aber auch hier gilt: Das Jahr ist noch lang!

Einzig die Aussagen zu AMD erfüllten sich nicht – der Wert notiert bis heute sogar mit etwas über 10% im Minus und die Prognose, dass sich die USA schneller als Europa aus der Krise hinauswachsen, würde ich so für 2010 auch nicht als erfüllt ansehen. Das Wachstum im Verhältnis zu Europa war eher pari.

Fazit:

Wir haben zwar erst Anfang November – aber wie schon in den vergangenen Jahren geht auch im Jahr 2010 ein sehr erfolgreiches Börsenjahr für uns zu Ende.

Jahresausblick 2011:

Wie schon oben erwähnt, sehe ich keinen Grund, mit der Jahresprognose zu warten. Zu einem deutlich ansteigenden Kursniveau an den Börsen bis zum Jahresende 2011 sehe ich auch jetzt keine Alternative.

Die bis vor kurzem sehr schlechte Darstellung der Nachrichtenlage in den Medien beginnt sich seit ein paar Wochen zu ändern. Die gleichen Fakten werden jetzt mit wesentlich positiverem Grundton verbreitet. Dies ist auch Grundvoraussetzung für eine zweite große Hausse-Welle an den Märkten, in der wir uns aller Wahrscheinlichkeit nach bereits befinden.

Seit dem jüngsten Ausbruch aus der Seitwärtskorrektur, den wir mit etwas Glück vom Timing her perfekt vorhergesagt hatten, befinden sich die Weltbörsen in einem Aufwärtstrend. Dieser Trend dürfte – von einigen kleinen Topkorrekturen und plus/minus Sonderereignissen – bis Ende 2011 anhalten und das Kursniveau an den Börsen erheblich anheben.

Getragen wird der Preisaufschwung an den Märkten von einer immer stärker boomenden Weltwirtschaft. Auch Europa und die USA werden ihren Beitrag dazu leisten. Ein wichtiger Kurstreiber ist nach wie vor die Untergewichtung der privaten Anleger an den Aktienmärkten. Die Übergewichtung in Festgeldanlagen mit quasi keiner Verzinsung wird diesen wie so oft zum Verhängnis werden und je stärker die Börsen unter verbesserten Nachrichten anziehen, umso stärker wird das Verlangen dieser Anleger werden, ihr Festgeld in Aktien zu tauschen.
Während aber in früheren Zyklen ein Teil dieses Verhaltens durch den „Null-Summen-Spiel-Effekt“ (wenn jemand eine Anleihe verkauft, dann muss ein anderer die Anleihe kaufen – d.h. es steht dann nicht wirklich mehr Geld für Aktienkäufe zur Verfügung) ausgeglichen wurde, stehen aber in diesem Zyklus die Notenbanken teilweise als Käufer parat – d.h. es steht dann tatsächlich netto mehr Geld für Aktienkäufe bzw. auch für den Konsum zur Verfügung. Und das bedeutet, dass die Kurse diesmal stärker steigen sollten, als in anderen Zyklen.

Die Prognosen für 2011 im Einzelnen:

Arbeitslosigkeit:

In Deutschland wird sich das Problem des Facharbeitermangels weiter verstärken – die Arbeitslosenquote sollte dennoch weiter absinken.
In den USA wird die Arbeitslosenquote im Jahresverlauf stärker sinken, als bisher erwartet!

Inflation:

Was wurde nicht alles geschrieben über die galoppierende Inflation, die wir schon seit Jahren „sicher“ hätten haben müssen.
Die Wahrheit ist – ohne das beherzte Eingreifen der Notenbanken hätten wir jetzt eine ausgewachsene Deflation – und das will wirklich keiner!
Inflation wird immer sehr kritisch gesehen, jedoch ist Inflation etwas sehr schönes. Höhere Preise, höhere Löhne etc. bedeuten Bewegung – und das lieben die Menschen.
Stabile Preise und stabile Löhne – per Saldo zwar das Gleiche – werden jedoch vom Menschen immer als Stillstand interpretiert und sind somit immer die schlechtere Alternative.
Somit ist vorerst mit weiteren inflationstreibenden Maßnahmen zu rechnen. Die Inflationsraten sollten jedoch vorerst moderat bleiben und selbst wenn sie etwas anziehen, so ist das durchaus gewollt und dem gesamten System dienlich.

Die Notenbanken…

…machen es genau richtig. Sie bekämpfen die Deflation bisher sehr erfolgreich und setzten das Geld gezielt da ein, wo es am besten „arbeiten“ kann. Das die meisten Wirtschaftsexperten hier skeptisch sind, bestärkt mich eher in der Richtigkeit der Maßnahmen.

Die Zinsen:

Die Zinsen, und vor allem die Kreditzinsen – und um die geht es ja u.a. offiziell bei den FED-Maßnahmen – sollen lt. Notenbanken und Finanzexperten weiter sinken, um so u.a. den vielen verschuldeten Haushalten eine günstige Umschuldung zu ermöglichen.
Das klingt auch vordergründig logisch!
Aber genau daran – glaube ich NICHT!
Ich glaube vielmehr, dass das Zinsniveau ab jetzt – evtl. unter kleinen Schwankungen – langsam aber sicher zu steigen beginnt!
Aber ist das nicht ein Gegensatz zu allen anderen Behauptungen?
Nein – ich denke, dass ein leicht, aber stetig anziehendes Zinsniveau im Sinne aller ist. Denn, ob die Zinsen ein bisschen nach oben gehen – das rechnet sich zum Umschulden bzw. Neuverschulden noch immer. Aber entscheidend sind die Anleihemärkte.
Hierein hat sich das Fluchtkapital im Massen zurückgezogen – sinkende Zinsen hätten aber weiter steigende Anleihekurse zur Folge.
Und dann würden sich die Risikoflüchtlinge weiterhin wohl fühlen. Aber genau das Gegenteil will man erreichen – man will die Anleiheanleger zum Verkauf bewegen! Und dafür sind leicht anziehende Zinsen genau das richtige Rezept. Zum einen hat man niedrige Nominalverzinsungen vor sich, und dann noch stetig sinkende Anleihekurse. Das gepaart mit dem teilnahmslosen Beobachten der stetig steigenden Aktienmärkte wird die Anleihebesitzer langsam aber sicher in den Wahnsinn treiben.
Und am Ende der Kette steht dann die FED, die mit frischem Geld den Zusammenbruch der Anleihemärkte durch Käufe zu leicht sinkenden Kursen verhindert und das System mit Geld flutet.
Die Leute bei der FED sind nicht dumm – ich halte sie für die Fähigsten unter den Finanzjongleuren! Aber – auch deshalb – sagen sie auch nicht immer die volle Wahrheit. Und so ist der FED-Plan meiner Meinung nach nicht „Wir kaufen Anleihen, um die Zinsen zu senken“, sondern „Wir kaufen Anleihen, wenn die Anleger da raus und in den Aktienmarkt/Konsum rein wollen – und verhindern so elegant den sonst unvermeidlichen Anleihecrash“.
Somit wären fast alle Problem der USA gelöst und den Weltfinanzmärkten stehen goldene Zeiten bevor!

Der US-$:

Auch jetzt wird zum x-ten Jahr in Folge von einem „sicher“ schwächer werdenden US-$ ausgegangen. Auch diesmal gehe ich da nicht mit. Möglicherweise hat der $ in der Tat kurz- und mittelfristig ein gewisses Abwertungspotential, aber im long run sehe ich ihn eher wieder zulegen.

Öl:

Im Gegensatz zu 2010 könnte der Preis in 2011 etwas zulegen. Aber hier habe ich keine feste Meinung.

Gold:

Die Goldhausse steht noch immer am Anfang. Ich habe schon seit Jahren gesagt, dass der Goldpreis erst dann richtig zulegen wird, wenn die Aktienmärkte abheben – da die Goldhausse eben diesmal ein krisenunabhängiges Eigenleben führt . Daher sollten hier auch im nächsten Jahr neue Höchstkurse möglich sein. Erstes Ziel = 1700$ – 2000 $.

Einzelaktien:

Hier bleibe ich meinen Favoriten treu, die ich Ihnen schon am 15.10. genannt habe. Apple, Google, Ford und Bucyrus in den USA und Metro in Deutschland, haben alle weiterhin das „geforderte“ 50%ige Kurspotential. Und auch die US-Airliner sollten bis Ende 2011 nochmals um ca. 50% zulegen können.

Indizes:

Unter den bekannten Indizes sehe ich beim Nasdaq-100 (aktuell bei 2158) Potential bis 2800 – 3300 Punkten.
Der DAX sollte schon 2011 sein altes all time high überwinden und zunächst die Region um 9000 Punkte anpeilen. Ich denke, dass die großen Märkte zunächst eine deutliche Aufwertung bis Ende März erfahren werden – je nach dem wie stark diese Ausfällt, können wir dann gerne die Kursziele für 2011 noch einmal etwas nachjustieren.

D.h.:

Wenn es so läuft, wie oben beschrieben, dann erwarten uns also rosige Zeiten! Eine boomende Wirtschaft, höhere Löhne, steigende Kurse, und – ganz wichtig für das Wohlbefinden – eine erheblich verbesserte Gesamtstimmung weltweit. Auch das Konsumklima (Metro) wird sich weiter beleben und ein neues Luxusbewusstsein könnte sich etablieren. Davon werden z.B. Firmen wie Apple profitieren. Wenn ich dagegen jetzt eine Aktie leerverkaufen sollte, was man in einer großen Hausse grundsätzlich nicht machen darf, dann wäre z.B. DELL Computer ein echter Kandidat. Der Trend geht klar zu teuren und coolen Endprodukten mit hoher Marge für den Produzenten. Dagegen werden graue Mäuse wie DELL, die jetzt schon sehr geringe Margen haben, es in der Zukunft zunehmend schwerer haben. Oder anders ausgedrückt – ohne den jetzt anstehenden Wirtschaftsaufschwung, wäre DELL für mich ein 1A Pleitekandidat!
Bei Apple hingegen wird das Geschäftspotential m.M.n. weiterhin unterschätzt.

Risikofaktoren 2011:

Restrisiken aus der Finanzkrise sehe ich nicht – und wenn es doch noch mal zu ein paar Problemen kommen wird, dann werden diese einfach auf bewährte Weise „gelöst“ – oder anders:
Das kümmert jetzt keinen mehr! Die Leute wollen wieder bessere Zeiten und werden mit Rückschlägen wesentlich besonnener umgehen als in den Krisenjahren.
Große Kriege oder größere Umstürze sollte es in 2011 nicht geben – wenn’s wirtschaftlich bergauf geht, haben die Leute i.d.R andere „Sorgen“.
Terror ist und bleibt eine Bedrohung und ist unkalkulierbar. Vor allem „meine“ Luftfahrtindustrie ist hier natürlich besonders verwundbar, wie es die jüngsten Paketbomben gezeigt haben.

Fazit:

Halten Sie weiterhin alle Positionen fest- die Chancen auf einen starken und stetigen Börsenaufschwung sind beträchtlich!

Bis dahin

Henry Littig
Backstagenews.de

Geschrieben von admin