Selten so gelacht!

Ich gebe mir ja des öfteren Mühe, den Wirtschafts- und Finanzmärkten zumindest ein kleines Stück Humor und Ironie abzutrotzen – mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Aber was sich unsere offiziellen bundesdeutschen „Experten“ so alles in den letzten Jahren an „Fehlprognosen“ geleistet haben – humoristisch extrem beeindruckend!
In diesem „Expertengremium“ würde Baron Münchhausen noch nicht einmal die Probezeit überstehen!
In Frankreich streikt man für die Rente ab 60 – unsere Wirtschaftsweisen bzw. Greisen sollte man dagegen besser schon mit 50 gehen lassen…

Man muss es sich einmal auf der Zunge zergehen lassen:

Die führenden Wirtschaftsinstitute gehen jetzt von 3,5% Wachstum in 2010 und ca. 2% in 2011 aus. Im Frühjahr – also vor 6 Monaten – ging man für 2010 noch von ca. 1,5% aus. D.h. unsere „Top-Experten“ haben es in der Tat geschafft, innerhalb von nur 6 Monaten um ganze ca. 2% danebenzuliegen!

Und das wirklich Lustige ist: Das scheint überhaupt keinen zu stören!

Im Gegenteil:

Auch jetzt nutzen sowohl Regierung als auch Medien den aktuellen 2011-er forecast, um auf die Stimmungsbremse zu treten:
„Nur keine gute Stimmung bitte – Ihr seht doch – der Aufschwung ist nicht tragfähig, wird sich abschwächen und ist nicht von Dauer – die Wirtschaftsweisen haben es doch gesagt“

Ja – die haben es in der Tat gesagt – aber die liegen z.Zt. mit einer Fehlertoleranz in Höhe von ca. 4% aufs Jahr gerechnet wieder mal total daneben!
D.h. das reale Wachstum wird sich also laut „Wirtschaftsweisen“ in 2011 zwischen Minus 2% und Plus 6% bewegen. Das nenn ich mal eine tragfähige Prognose…

Das Schlimme ist – in vielen anderen Prognose-Bereichen sieht es ähnlich aus. Dass die Arbeitslosenquote in unserem Land immer weiter absinkt, und unser größtes Problem darin bestehen wird, in Zukunft genügend gute Leute zu finden – das konnte selbst ich schon vor Jahren mit einer Hand voll Murmeln in wenigen Minuten ausrechnen und korrekt prognostizieren. Ich habe es seit dem immer wieder auf dieser Seite formuliert. Unsere „Experten“ dagegen haben bis zuletzt immer betont „das könne ja eigentlich gar nicht sein, und das dicke Ende kommt noch“.

Richtig:

Das dicke Ende kommt auch – und zwar genau jetzt. Der Wirtschaft fehlt es schon jetzt hinten und vorne an Fachkräften und aktuell wird der Bedarf nach geregeltem Fachkräftezuzug auch von den „Experten“ gefordert.

Und auch beim Thema Lohnerhöhungen ist die Politik jetzt auf meinen Kurs gewechselt – auch hier um Jahre zu spät!

D.h. auch beim Thema Arbeitsmarkt hat die Politik jahrelang Zeit verschwendet und große Chancen für unser Land verspielt, weil sie auf die sogenannten „Wirtschaftsexperten“ gehört hat.

Leider – so muss ich zugeben – sehe ich in der aktuellen politischen Landschaft keine Möglichkeit, hieran etwas zu ändern. Ich bin mit Sicherheit nicht der Einzige, dessen Prognosen denen der „Experten“ zeitlich deutlich voraus sind – jedoch ist Sachkompetenz in der Politik eben nicht gefragt. Die Prognosen müssen vor allem politisch verkaufbar sein.
Und da reicht es nun mal völlig aus, für das neue „Herbstgutachten der Wirtschaftsweisen“ einfach nur die aktuelle Lage aus der Tagespresse zu entnehmen und als „Prognose“ zu verkaufen.
Jemand wie ich, der schon vor 2 Jahren – also inmitten der Krise – von baldiger Vollbeschäftigung gesprochen hat, der macht sich eben in diesem Moment lächerlich. Für mich ist das kein Problem, aber ein Politiker kann solche Sprüche eben erst klopfen, wenn`s auch in der Bildzeitung steht. Und seit dem dort steht, dass wir mit bald unter 3 Mio. Arbeitslosen sehr gut dastehen, da wagt sich sogar der Wirtschaftsminister das Wort „Vollbeschäftigung“ in den Mund zu nehmen.

Ich glaube die Bürger sehnen sich im Wahrheit schon lange nach „Machern“, die in der Politik agieren – auch wenn sie mal daneben liegen. Bei den aktuellen Mehrheitsverhältnissen dürften es diese aber sehr schwer haben, gegen die etablierte Politik des Reagierens zu bestehen. Und so beißt sich unsere demokratische Katze langsam aber sicher immer fester in den eigenen Schwanz.

Aber – wir wollen nicht lamentieren, denn:

In jedem Fall kann man mit dieser breitangelegten Falschinformation der Bevölkerung an der Börse Geld verdienen. Sei es, daß die Experten und die Politik in unserem Land wirklich so unfähig sind, wie sie sich aktuell darstellen, oder ob es sich vielleicht doch um potentiell mafiöse Strukturen handelt, die als „Experten“ getarnt die Politik und die Medien bewußt täuschen, um selbst am Kapitalmarkt zu profitieren, sei dahin gestellt.

Zur Börse:

Da die Stimmung (siehe oben) nach wie vor nicht so gut ist, wie sie schon lange sein müsste, sehe ich den aktuellen Börsentrend als vorläufig nicht gefährdet an. Durch die von Politik und Medien verbreitete schlechte Stimmung und geschürte Krisenangst, stecken die meisten Anleger noch immer in 0% Festgeldanlagen und werden bei besserer Stimmung zu höheren Kursen vermutlich als Käufer zur Verfügung stehen. Dieser Umstand stützt die Kurse bzw. lässt sie vermutlich weiter anziehen. Ich rechne zunächst mit einer Fortsetzung der aktuellen Rallye bis ca. Ende März.
Zudem hat die aktuelle Quartalssaison deutlich gezeigt, dass die Gewinnprognosen nicht wie befürchtet zu hoch, sondern eher zu niedrig waren – und vom befürchteten „double dip“ ist ja mal rein gar nichts zu erkennen.

Bis dahin

Henry Littig
Backstagenews.de

Geschrieben von admin