Der Börsenausblick 2010 ist meiner Meinung mehr denn je eine Glaubensfrage, die da heißt:

Ist die Krise überstanden – oder nicht?

Ich habe in meinen Börsenleben schon so mache Krise „mitgemacht“ – und eines hatten alle gemeinsam:

„Immer, wenn die Nacht am schwärzesten war, glaubte kaum einer an den nächsten Morgen!“

Und doch – jedes Mal ging die Sonne auf`s Neue auf.

Man muss kein promovierter Astrophysiker sein, um hierbei eine gewisse Systematik zu erkennen – es ist völlig ausreichend, die Situation mit einer Portion Realismus zu betrachten und daraus seine Schlüsse zu ziehen…

Natürlich – und das weiß auch jeder Physiker: Eines Tages werden wir vermutlich vergeblich auf den Sonnenaufgang warten, obwohl die Chance darauf (z.Zt.) bei fast 0 % liegt…

Und: Eines Tage wird auf die dunkelste Wirtschaftskrise eine weitere, noch dunklere folgen – aber mathematisch gesehen ist das eben unwahrscheinlich. An der Börse hat jedoch nur derjenige langfristigen Erfolg, der auf die wahrscheinlichen Szenarien setzt, daher:

Es ist sehr wahrscheinlich, dass in 2010 die schwelenden Krisenherde langsam abkühlen und die Wachstumsdynamik wieder langsam, aber stetig an Kraft gewinnt. Die Börsen sollten daher zumindest leicht, möglicherweise aber deutlich zulegen können!

Bei dieser Prognose verlasse ich mich weniger auf die blanke Statistik als vielmehr auf den Charakter der Menschheit. In seinem Drang sich über diesen Planeten auszubreiten ist die Menschheit seit Beginn getrieben durch Gier und Angst. Vor allem die Gier nach exponentiellem „MEHR“ treibt den Mensch voran und sorgt dafür, dass die globalen Ressourssen in immer schnellerem Tempo konsumiert werden. Diese Entwicklung ist m.M.n. nicht aufzuhalten. Probleme welcher Art auch immer (ob Schweinegrippe, Finanzkrise oder Klimawandel) können diese Entwicklung nur temporär verlangsamen, den Mensch auf seinem Weg quer durch die Galaxis jedoch nicht aufhalten…

Bevor wir aber jetzt noch philosophisch werden, kommen wir `mal ganz schnell zu Thema zurück und behaupten:

Die Menschheit wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach durch ein paar kaputte Bankbilanzen nicht aus dem Tritt bringen lassen und weiter ihrem bisherigen Pfad folgen, d.h.:

Es ist wahrscheinlich, dass die „Krise“ nur eine minimale Unterbrechung des allgemeinen „menschlichen“ Aufwärtstrends war und wir in Kürze zur Tagesordnung incl. Weltwirtschaftsboom etc. übergehen werden…d.h. ich vermute, dass wir schneller zu den alten Höchstkursen zurückkehren werden, als allgemein angenommen wird.

Für den DAX bedeutet dies, dass wir m.M.n. in 2010 zunächst Werte zwischen 7000 – 8000 Punkte sehen werden. Natürlich gibt es auch die Chance auf ein langweiliges Wartejahr á la 2004, mit anschließender scharfer Rallye in den Folgejahren. Aber eine solche 2004er-Prognose entspräche zum einen in etwa dem Mainstream (und ist somit unwahrscheinlich!), zum anderen wäre sie grottenlangweilig. Da bleibe ich lieber bei 7000 – 8000 Punkte, die womöglich schneller kommen als gedacht.

Interessant: Wenn ich z.Zt. skeptische Kommentare zur Börse höre, dann wird fast immer eine Überbewertung angesprochen. So wird dem DAX ein KGV von ca. 62!!! und dem S&P; eins von ca. 22!!! zugesprochen. Diese Zahlen sind offensichtlich das letzte Baisseargument, was geblieben ist- jedoch: Diese Werte beziehen sich auf die Vergangenheit! Seit dem ich die Börsen beobachte, wird ein Markt aber stets mit dem KGV des nächsten Jahres bewertet. Und da sieht es mit 16 statt 62 für den DAX und 17 statt 22 für den S&P; schon ganz anders aus…uuuund: In ein paar Wochen schielt der Markt (normalerweise) dann schon auf die KGV`s 2011!!!
Und: Solange die Zinsen so historisch niedrig bleiben, ist der Markt auch bei KGV`s jenseits der 30 nicht zu teuer, zumal die Dividendenrendite noch immer höher als das Zinsniveau ist. Fazit: Wenn man diese üblichen Faktoren bedenkt, so scheint es mir das Risiko einer starken Baisse doch eher sehr gering zu sein – zumindest unter Berücksichtigung der aktuell vorliegenden Nachrichten.

Ein paar Aussagen zu 2010:

Die Arbeitslosenstatistik in Deutschland sollte weiter positiv überraschen.

Die Zinsen werden wohl auch in 2010 niedrig bleiben

Einen drastischen Anstieg des Ölpreises kann ich auch in 2010 nicht entdecken – die Welt will zum einen weg vom Öl, zum anderen reichen die Vorkommen noch min. 100 Jahre – eher 200 Jahre bzw. m.M.n. wird es immer Öl geben, da gegen Ende der Ölzeit sinnvollere Ersatzstoffe entwickelt werden und die letzten Reserven somit logischerweise gar nicht angetastet werden.
D.h. aber auch: Je schneller wir das Öl konsumieren, umso schneller werden wir umweltfreundliche Ersatztechnologie entwickeln, und nicht umgekehrt…
Fazit: Ich bleibe dabei – das Öl hat seinen Höchstkurs zunächst gesehen – jeder deutliche Preisanstieg führt unweigerlich zu einer beschleunigten Öleinsparungswelle. Somit ist „das schädlichste für einen steigenden Ölpreis ein steigender Ölpreis!!!“

Das Gold – wird wohl auch in 2010 zulegen können. Eine Überhitzung der Rallye kann ich noch nicht feststellen. Über die Gründe des möglichen Preisanstiegs haben wir schon viel geschrieben, daher kurz: Kursziel in 2010 zunächst 1500 $.

Inflation können wir in 2010 noch nicht erkennen…das ist m.M.n. im Übrigen gut für den Goldpreis und nicht ungekehrt!

Der US-Dollar! Oh je – das ist schwer zu sagen! Die ganze Welt spekuliert gegen die US-Währung und „weiß“, dass „er“ sinken „muss“. Ich habe schon gesagt, dass an den Börsen so gut wie nichts „muss“ – und einen sinkenden $ „muss“ es auf keinen Fall geben – es kann in ihn geben, aber eben auch nicht. Ich bleibe beim $-Verfall skeptisch und halte eine positive Überraschung zum Euro nicht für ausgeschlossen – vor allem, wenn die US-Wirtschaft evtl. bald wieder boomen sollte.

Die US-Wirtschaft: Die USA haben das Zeug, sich schneller als mache glauben, aus der Krise zu befreien. Sie haben den Vorteil, dass hier eine ganze Nation schnell und nachhaltig in eine Richtung geht, wenn’s drauf ankommt. In Europas EU – mit grundsätzlich den gleichen Voraussetzungen – bedarf es i.d.R. erst milliardenschwerer Zugeständnisse für einige der unzählbar gewordenen Mitgliedsstaaten, bevor diese eine Zustimmung für eine europaweite Toilettendeckelnorm unterschreiben. Wenn mich nicht alles täuscht, so nennt man diese offizielle Verhandlungstaktik einiger EU-Staaten KORRUPTION – früher ein Wort aus der Bananenrepublik, heute offizielles Verhandlungswerkzeug eines jeden EU-Staaten. Daher: Die USA werden sich schneller als Europa „bewegen“ und die Wachstumsraten der EU zunächst outperformen.

Meine Favoritenbranche 2010…

…bleibt die US-Luftfahrtindustrie. Bei Aktien die z.B. im NYSE-Arca-Airlineindex (Symbol XAL) gelistet sind, sehe ich erneut ein Aufwärtspotential von „locker“ 50%.
Naja, „locker“ ist bei diesen Aktien „so eine Sache“…denn hier kann`s erfahrungsgemäß auch mal „locker“ genauso weit nach unten gehen. Das Risiko ist: Wenn die US-Wirtschaft doch in die Double-Dip schlittert, so sind einige der Unternehmen stark konkursgefährdet. Aber wenn nicht – und davon gehen wir aus – dann winken hier durchaus ansehnliche Zuwächse. Aus Sicht des Eigenkapitals wirken Continental Airlines (NYSE Symbol „CAL“) durchaus robust, aber auch Delta Airlines („DAL“) sehen „ganz gut“ aus…

Bei den US-Einzelwerten konnte ich mich nicht recht entscheiden:

Ford (F), AMD (AMD) und JDS Uniphase (JDSU) sehen alle gut bis sehr gut aus und sollten aus heutiger Sicht jeweils über 50% Kurspotential besitzen.

In Deutschland bleibe ich der Metro AG treu. Auch hier besteht das „bekannte“ 50% Potential.

So – das wär`s für dieses Jahr – ich hoffe, es hat Ihnen ein wenig Spaß gemacht und ich wünsche uns allen, dass wir an die guten Erfolge der letzten Jahre ein wenig anknüpfen können.


In diesem Sinn – Ihnen allen ein tolles Börsenjahr 2010!

Henry Littig
Backstagenews.de

Geschrieben von admin