Zwischenstand: starke Öl-Baisse!?
Zuletzt hatten wir hier berechnet, dass der Ölfluss durch die „Straße“ in ein paar Tagen wieder anlaufen kann und dass wir deshalb vermutlich in diesen und in den letzten Tagen Einstiegsmöglichkeiten an den Börsen gesehen haben.
Und?
Der Tankerverkehr hat wohl in den letzten Tagen wieder etwas zugenommen und liegt ca. bei 15-20% des Üblichen. Dies sind noch keine 100%, aber der Weg dorthin scheint möglich zu sein.
Öl:
Die gestrigen Öl-Preise von bis zu 120$ waren wohl der größte Nepp, den ich seit langer Zeit an den Märkten gesehen habe. Natürlich – niemand weiß, was die Zukunft bringt, aber wenn man Nachfrage und Angebot verrechnet, dann müsste der Ölpreis bei ca. 45-55 $ liegen. Jetzt – mit ein paar Spannungen – vielleicht bei 65-70$ – max. 85-90$…aber da muss man auch wirklich vom Schlimmsten ausgehen. 120$ waren in jedem Fall unsinnig. Ein solcher Preis wäre im worst case Szenario möglich – und davon sind wir meilenweit entfernt. D. h. nicht, dass man ein solches Szenario ausschließen kann – aber es hat eben nur eine geringe Eintrittswahrscheinlichkeit.
Fazit:
Da so langsam die Realität ihre Wirkung entfaltet, befindet sich der Ölmarkt auch aktuell in der stärksten Baisse, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Von 120$ auf 85$ in wenigen Stunden – und auch bei 85$ ist Öl grundsätzlich stark überbewertet.
Fazit2:
Alles ist möglich, aber wahrscheinlich ist, dass wir in absehbarer Zeit evtl. nur noch die Hälfte vom heutigen Preis zahlen. Vor allem, wenn irgendwann wieder mehr russisches Öl auf den Markt kommt und die USA in Venezuela (und im Iran?) die Förderung wieder hochfahren – plus ihrer eigenen steigenden Produktion.
Fazit3:
Der Ölmarkt hat ein strukturelles Überangebot – und das führt i. d. R. zu deutlich sinkenden Preisen…
Besetzung der „Straße“ durch die USA?
Wenn z. B. ein Regimewechsel im Iran nicht möglich sein sollte, könnten die USA alternativ beide Seiten der „Straße“ besetzen und somit den Durchfluss auch in Zukunft garantieren. Und – wenn man Trump kennt – dann wird er sich diese „Zoll-Aufsicht“ auch bezahlen lassen…sagen wir mal mit 1$ pro Barrel…das wäre angemessen…
Und: da China sehr viel Öl über die Straße bezieht, hätten die USA ein passendes Gegengewicht zu der chinesischen Kontrolle seltener Erden etc….auch ein Griff nach Taiwan würde aus chinesischer Sicht dann schwieriger.
China/Russland:
Nach den Ereignissen in Venezuela und im Iran müssen sich Russland und China ohnehin fragen, wieso die US Air-Force so einfach mit hunderten Flugzeugen über Venezuela und über dem Iran operieren kann – ohne dass die Flugabwehr auch nur einen einzigen Schuss abgegeben hat. China und Russland sind aktuell auffallend ruhig, obwohl ihnen Trump gerade zwei Verbündete genommen hat. Pikanterweise waren in Venezuela und im Iran chinesische und russische Flugabwehrbatterien stationiert. Mit der völligen Fehlfunktion ihrer Einheiten konfrontiert, befinden sich beide Staaten aktuell in einem orientierungslosen Zustand. Es scheint so, als ob sich die US-Militärtechnik dramatisch an der chinesischen und russischen vorbei entwickelt hat…nur so lässt sich das Schweigen beider Länder plausibel erklären.
Fazit:
Es muss nicht sein, aber aktuell sollte es China in Erwägung ziehen, dass sie einen konventionellen Krieg gegen Taiwan durchaus verlieren könnten…eine Einschätzung, die zumindest seit Venezuela neu sein dürfte…
Gesamtfazit:
Grundsätzlich sehe ich weiter viele Chancen und viele positive zukünftige Entwicklungen, die meine Marktmeinung weiter verstärken…
Henry Littig
backstagenews.de