Die Begründung zum RWE-Verkauf

Wie Sie wissen, habe ich mich am Dienstag von allen RWE-Aktien getrennt und Ihnen das kurz mitgeteilt. Heute gibt es wie versprochen eine etwas ausführlichere Begründung.

Vorab:

Stand heute bin ich relativ zufrieden mit dieser Wette…am 15.12. bin ich hier eingestiegen. An diesem Tag notierte der Wert zufälligerweise (man muss auch ein bisschen Glück haben) bei 11 Euro und somit auf dem Tiefpunkt! Keiner wollte die Aktie haben – für mich war sie jedoch damals die heißeste Aktie in Europa (unter den großen Werten) und wurde somit neben Tesla zu meiner Aktie des Jahres 2017.

Mein RWE-Kursziel für 2017 ( meine Kursziele bis 2019 hatte ich Ihnen hier mal aufgelistet: http://www.backstagenews.de/2017/03/rwe-kursziele/ ) ist schon im Mai erreicht worden und auch mein dann erweitertes Kursziel von 20 – 25 Euro wurde zuletzt geknackt.

Warum jetzt der Verkauf?

Nun – wie schon am Dienstag gesagt, rechne ich noch immer mit höheren RWE-Kursen bis Ende 2018/2019 – jedoch: ab JETZT erwarte ich zunächst eine 2-6 monatige Seitwärtsbewegung. Der Preis könnte sich in dieser Phase in einer Range zwischen 18 und 24 Euro bewegen. In einem weiter positiven Szenario bedingt durch steigende Primärbörsen auch zwischen 19 und 25 Euro.
In jedem Fall erschien mir das Dienstag Mittag als ein zu langer Zeitraum mit einer vergleichsweise geringen Performanceaussicht.

Ja – und da der RWE-Aktienkurs zufälligerweise Dienstag Morgen bei knapp 22 Euro auf Jahreshoch notierte, also ca. 100% in 9 Monaten zulegte, alle Kursziele für 2017 erreicht und überboten wurden und die Aussichten für die nächsten Monate demnach bestenfalls durchwachsen erschienen —–da dachte ich mir relativ spontan:

„Eigentlich“ müsste man JETZT alles verkaufen! Was ich dann auch machte…

Sie können sich bestimmt vorstellen, dass dies keine einfache Entscheidung ist/war. Man hat quasi einen „Selbstläufer“ an der Hand – den absoluten Top-Performer im DAX seit dem 15.12. – man hat den Trend voll mitgenommen – und dann muss man sich davon verabschieden.

Ja – aber so ist es eben: der Kauf UND der Verkauf MUSS weh tun…dann hat man Chancen, dass es läuft…

Und wenn RWE jetzt einfach weiter nach oben läuft?

Das wäre kein Problem für mich…es gibt zig Aktien die jeden Tag hoch oder runter laufen, OHNE dass ich dabei bin. Dass muss man einfach ignorieren…

Werde ich RWE irgendwann wieder kaufen?

Das ist möglich – jedoch kann ich das aktuell nicht sagen…das wird die Zeit und die Situation zeigen.

Und warum habe ich ein paar Lufthansa gekauft?

Ich habe ca. 40% meiner RWE-Erlöse in Lufthansa investiert…hierbei handelt es sich jedoch eher um ein taktisches und vor allem psychologisches Investment.
Ich werde der Lufthansa-Position ein großes Stop-Loss von ca. 25 % (!) geben…bezogen auf die alte RWE-Gesamtposition wären das „wertmäßig“ jedoch nur ca. 10%. Ich konnte also durch diesen Wechsel ein ca. 10%iges „theoretisches“ Stop unter den RWE-Höchstkurs setzten…nur mit dem Vorteil, dass die Wahrscheinlichkeit, dass RWE von seinem Hoch (21.69) in der jetzt möglichen Seitwärtsbewegung 10% abgibt, deutlich wahrscheinlicher ist, als dass die Lufthansa von ihrem aktuellen Hoch 25% absackt.

Somit könnte ich mir „theoretisch“ ein durchaus wahrscheinliches „Ausgestopptwerden“ in der RWE-Position bei ca. 19.50 Euro „ersparen“ und hätte gleichzeitig die Chance, mit einer 40%igen Lufthansa-Position von meiner Erwartung zu profitieren, dass Lufthansa in den nächsten 12 Monaten aus meiner Sicht etwas besser laufen kann als RWE.

Zudem bleiben noch 60% cash für „was auch immer“.

Fazit:

Wie Sie wissen, war Lufthansa „eigentlich“ meine Aktie des Jahres 2017 – nur wegen der langen Streikquerelen etc. hatte ich diese im Dezember 2016 bei knapp 13 verkauft und in RWE „getauscht“. Auf aktuellem Niveau würde ich normalerweise keine Lufthansa kaufen – wir befinden uns hier auf der Spitze einer Aufwärtsbewegung. NUR in dieser Kombination mit dem RWE Verkauf macht das für mich Sinn. Daher wäre es mir auch egal, sollte der Wert jetzt kurzfristig abgeben. Solange das Stop (Minus 25%) nicht erreicht wird, müsste sich dieses Wechsel/Absicherungsinvestment irgendwann auszahlen.

Und zur Not wissen wir ja, wie es ist:

Et kütt,wie et kütt…

…das ist wie beim „FC“…da brauch ich auch nur die Tabelle rumdrehen – und schon sind WIR erster…so einfach ist das machmal…

Henry Littig
backstagenews.de

Geschrieben von Henry Littig