Herbalife

Wie Sie wissen, bin ich im Juli long in Herbalife eingestiegen. Von damals gut 50 $ konnte der Kurs bis dato um ca. 30 % auf derweil um 67 $ zulegen.
Im Hoch notierte Herbalife schon bei knapp 75 $.

Wie kann es hier weitergehen?

Die Notierung ist nach wie vor geprägt vom Kampf zweier größerer Anlegergruppen. Die Gruppe Ackman ist short und behauptet, alles an Herbalife sei Lug und Trug und die Firma müsste „geschlossen“ werden – sie ein Schneeballsystem!

Die andere Gruppe „Icahn“ behauptet, alles sei „in Butter“ und die Firma ist unterbewertet.

Fakt ist:

Wäre Herbalife so bewertet, wie vergleichbare Firmen mit vergleichbaren Wachstumsraten, so müsste der Kurs bei ca. bei 90 – 100 $ notieren und jedes Jahr ca. 20% zulegen – das entspricht ungefähr dem jährlichen Gewinnwachstum.

Fakt ist aber auch, das vergleichbare Firmen aktuell keinen solchen Widersacher haben, der die Firma „schließen“ will. Und das drückt aktuell natürlich auf die Kurse.

Denn – möglich ist alles!

Persönlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dieses Risiko einzugehen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Herbalife geschlossen wird. Natürlich will und wird die Gruppe Ackman weiterhin Ärger machen, aber ich gehe derzeit davon aus, dass sich die Wogen innerhalb von ca. 5 Monaten glätten werden. Und genau für diesen Zeitraum rechne ich persönlich mit einem Anstieg des Kurses auf über 90 $.

Jedoch gibt es noch ein paar Klippen, die umschifft werden wollen.

Zum einen muss Herbalife noch Bilanzen der letzten Jahre nachreichen, nachdem die vormalige WP-Gesellschaft aufgrund eines Insiderverstoßes gekündigt hatte.
Solche nachgereichten Bilanzen beinhalten in der Regel immer eher etwas Negatives. Ich erwarte hier zwar nichts Großes, aber – das weiß jeder – wenn neue Buchprüfer am Werk sind – die finden immer etwas! Logisch!
Aber – wenn die neue WP Gesellschaft (immerhin PWC), die ja schon seit zig Monaten am Werk ist, hier irgendetwas schwerwiegendes gefunden hätte, dann hätte es wohl schon längst Alarm gegeben.

Daher sollte dieses Risiko nicht so groß sein.

Dann: zuletzt ließ ein Richter Klagen gegen Herbalife in Sachen „Schneeballsystem“ grundsätzlich zu. D. h. auch hier wird eines Tages die Nachricht kommen: „Herbalife auf Schneeballsystem verklagt!“
Und wie so ein Prozess ausgeht, das weiß auch niemand!

Man kann sich hier nur des gesunden Menschenverstandes bedienen. Und der sagt: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Herbalife jetzt nach mehreren Jahrzehnten geschlossen wird, ist zunächst unwahrscheinlich!“

Aber möglich! Und zumindest ist es möglich, dass es gewisse Strafzahlungen oder Entschädigungsleistungen für „leichtes Fehlverhalten“ etc. geben kann.

Warum? Es ist völlig egal, ob es wirklich „leichtes Fehlverhalten“ gegeben hat oder nicht. Aber wenn man aktiv danach sucht, dann wird man vermutlich auch etwas finden.
Das wäre bei einer Firma wie Daimler Benz sehr wahrscheinlich nicht anders.

Daher könnten auch von dieser Front noch ein paar negative Daten kommen.

Aber – deshalb notiert die Aktie ja auch recht niedrig und ist ein Kauf. So wie ich es sehe, sind die noch bevorstehenden Risiken eher schon im Kurs enthalten. Und die Zeit spielt eindeutig für Herbalife. Denn auch potentielle Strafen sind irgendwann bezahlt und vergessen. Denken Sie nur an die Banken. Auch die mussten Strafen zahlen – und existieren noch immer. Und bei Herbalife sind solche Verfahren ja bislang nur möglich, jedoch keineswegs beschlossene Sache.

Wie Sie wissen, kaufe ich oft Produkte von den Firmen, in denen ich long investiert bin. Ich mache das aus Prinzip. Ich denke natürlich nicht, dass ein einzelnes Apple– oder Nokia-Handy der jeweiligen Firmenbilanz wirklich hilft, aber das Investment fühlt sich dann besser an.
Gestern bekam ich das erste Herbalife Produkt. Ein Vanille-Eiweiß-Shake. Und es wird nicht das letzte Produkt gewesen sein, denn: so lange ich long in dem Wert bin, werde ich die Produkte auch konsumieren…
Auch wollte ich wissen, was dran ist, an der „Schnellballgeschichte“. So weit ich es bis jetzt beurteilen kann, ist da überhaupt nichts dran. Denn bei ca. 100 Euro, die man für ein Starterpaket zahlt und ca. 500 Tsd verkauften Starterpaketen im 3. Quartal, machen diese Umsätze für Herbalfe gerade mal ca. 5% vom Gesamtumsatz aus!!! D. h. wenn ca. 95% der Umsätze aus Produktverkäufen generiert werden – egal ob diese selbst konsumiert oder weiterverkauft werden – wo bitte ist dann das Problem?

Also ich sehe da keins! Vermutlich sind die Produkte überteuert und halten wahrscheinlich nicht ganz das, was versprochen wird, aber:

Dann müsste man z. B. die gesamte weltweite Kosmetikbranche schließen. Wirklich „jünger und besser aussehend“ ist da auch noch nie jemand geworden…

Vermutlich sind auch die Verkaufspraktiken bei Herbalife „etwas ambitionierter“ als gewöhnlich. Kritiker werfen Herbalife schon fast religiöse Verkaufsargumente vor – so sei Konzernchef Johnson zuletzt bei der Q3-Zahlen-Konferenz „wie ein Messias“ aufgetreten. Naja, da mag etwas dran sein, aber – wenn man schon teure Produkte verkauft, dann muss die „Geschichte dazu“ eben etwas blumiger sein. Aber das ist bei fast allen teuren Produkten so.

Natürlich werden neue Herbalife-Kunden auch mit dem Versprechen geworben, Sie könnten selbst mit dem Produktverkauf Geld verdienen. Und das könnten sie meiner Meinung nach auch. Aber nur dann, wenn man dafür sehr hart arbeitet. Von selbst verkauft sich noch nicht einmal ein saftiges Kobe Steak. Und dann vor Gericht Recht zu bekommen, Herbalife sei ein Schneeballsystem, weil man nicht genügend Produkte verkaufen konnte, halte ich für gegenwärtig aussichtslos.
Das ist ungefähr so, als wenn 1000 ehemalige Daimler Benz Mitarbeiter klagen, sie hätten es nicht in den Vorstand geschafft. Denn natürlich sagt man auch bei Daimler Benz allen Mitarbeitern, sie könnten es bei guter Leistung bis in den Vorstand schaffen – obwohl dies zahlenmäßig unmöglich ist!!!! Und bei dieser Sicht wäre jedes Unternehmen ein Schneeballsystem…

Letztlich ist es aber wohl vor allem so, dass neue Herbalife-Kunden auch direkt Herbalife-Vertriebspartner werden, weil sie so günstiger an die eigenen Produkte kommen – daher wohl auch die hohe Vertriebspartnerfluktuation. Ein echtes Schneeballsystem sieht aber m. M. n. anders aus…

Fazit:

Meiner Meinung nach sind die Vorwürfe zum Teil konstruiert und langfristig sollte sich das zweistellige Wachstum auch im Kurs bemerkbar machen. Natürlich wartet der Markt noch auf die neuen Bilanzen. Diese können jeden Tag kommen. Aber dann – so spekuliert der Markt – könnte Herbalife auch ein größeres Rückkaufprogramm eigener Aktien starten. Und dann – wird es für die vielen Leerverkäufer eng.
Daher denke ich, dass der Kurs unter Schwankungen bis Ende März 2014 von aktuell ca. 67 $ auf zunächst über 90 $ zulegen kann.

Bis zu den neuen Bilanzen, die – wie gesagt – ab jetzt bis Ende Dezember jeden Tag kommen könnten, sollte der Kurs zwischen 60 $ und 75 $ schwanken – ja, und danach passiert was…was genau werden wir sehen…

Henry Littig
Backstagenews.de

Geschrieben von Henry Littig